Wolkig in drei Dimensionen

Wie Karlheinz Gelhardt, Vincent Heuveline und Marcel Kunze zwei Trends geschickt kombinieren, um 3D-Inhalte mit Cloud-Computing zu verarbeiten.

Die Cloud – ein Hype-Begriff, der allgegenwärtig ist. Mitte der 2000er Jahre wurde das Konzept der Daten- und Rechnerwolke erstmals von großen Internetfirmen eingesetzt, um das Delta zwischen der Grundlast der Nutzer und den Spitzenbelastungen dynamisch abzufangen.

Der IT-Denker

2008 beginnt der leitende Wissenschaftler Marcel Kunze am KIT, die wissenschaftlichen Hintergrundfragen des Cloud-Computing zu beleuchten. Seine Forschungsgruppe betreibt Cloud-Systemforschung auf hohem Niveau. „Die Cloud erlaubt es Unternehmen, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren und somit Innovationspotenziale freizusetzen“, ist sein Credo.

 

Der interdisziplinäre Macher

Etwa zur gleichen Zeit beginnt Professor Vincent Heuveline am KIT mit seiner Vision, Mathematik, numerische Simulationen und Cloud-Computing zusammenzubringen. „Wir wollten zeigen, dass in der spröden Mathematik riesiges praktisches Potenzial steckt, wenn man sie geschickt mit anderen Fachbereichen verbindet“, sagt er. Ein Erfolgskonzept, das seitdem unzählige Produktentwicklungskooperationen mit der Industrie vorweisen kann.

 

„Innovation ist die Übertragung von hervorragendem Wissen in Produkte, die zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen“

Professor Vincent Heuveline

Der visionäre Anwender

Karlheinz Gelhardt hat keinerlei Berührung mit Cloud-Computing, als er zum ersten Mal mit Heuveline und Kunze spricht: „Mit meinem Unternehmen Medilive produziere ich seit 20 Jahren 3D-Inhalte. 2009 stellte ich mir die Frage: Wie können wir 3D-Inhalte mehr Menschen günstiger zur Verfügung stellen?“ Die Übertragung von 3D-Inhalten ist teuer und aufwendig. Gelhardt wollte nicht nur die hohen Kosten für Equipment und Satellitenübertragung senken, sondern auch eine Plattform schaffen, auf der mehr Menschen online 3D sehen können.

 

Der richtige Zeitpunkt

„Es war schnell klar, dass wir für die Herausforderung von Industrieseite Lösungsansätze bieten konnten“, erinnert sich Heuveline an das erste Treffen bei einem 3D-Festival vor zwei Jahren. So entstand eine Projektidee: Cloud-Computing-Dienste nutzen, um 3D-Übertragungen effizienter und kostengünstiger zu machen.

 

Das innovative Produkt

Trivido – der Name steht für dreidimensionale Videoübertragungen im Web. Knapp ein Jahr arbeiteten Gelhardts Medilive-Ausgründung Invistra und das KIT an dieser Online-Plattform, die die großen Datenmengen der 3D-Videos ohne Satelliten zu den Endgeräten bringt, indem verteilte Rechnerressourcen genutzt werden. „In der Cloud skalieren die Aufwände automatisch mit den Zuschauerzahlen. Das bedeutet: Schauen wenige Personen zu, werden geringe Ressourcen in der Cloud angemietet und die Ausgaben sind entsprechend niedrig. Gibt es viele Zuschauer, werden die IT-Ressourcen dynamisch hochgefahren. Die Kosten können im Vergleich zu einer bisher gebräuchlichen Satellitenübertragung um mehr als 90 Prozent reduziert werden“, erklärt Marcel Kunze.

 
Die KIT-Wissenschaftler haben in der Kooperation die Cloud-Architektur und sichere Datenspeicherkonzepte entwickelt, die nötige Internetbandbreite optimiert und Skalierungstests durchgeführt. Gelhardt und sein Team bei Invistra betreuen das Portal Trivido, rechnen die Cloud-Dienste ab und stellen einen Multikonverter zur sicheren Übertragung sowie ein Browser-Plugin zur Auswahl der 3D-Technik am Endgerät bereit.

Vincent Heuveline ist stolz, eine Cloud-Computing-Anwendung vom Grundkonzept zu einem Produkt mit funktionierendem Geschäftsmodell mitzuentwickeln: „Trivido ist die erste Plattform ihrer Art. Das Marktpotenzial solcher Anwendungen ist riesig. Von der Wissenschaft bis zur Aufbereitung für zukunftsweisende Medien können wir Inhalte auf neuen Wegen zur Verfügung stellen und die Entwicklung innovativer Darstellungsformen beschleunigen.

 

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