Neuland

Prof. Dr. Oliver Kraft, Vizepräsident für Forschung und Prof. Dr. Thomas Hirth, Vizepräsident für Innovation und Internationales

„Innovation braucht Grundlagenforschung.“

Erkenntnisorientierte Forschung legt den Grundstein für zukünftige Innovationen. Professor Dr. Hirth und Professor Dr. Kraft sprachen über das Zusammenspiel der beiden Ressorts am KIT.

In der Exzellenzstrategie des KIT spielt die Überführung von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft eine wichtige Rolle. Wie hängen Transfer und Innovation zusammen?

Prof. Hirth: Der Wissens- und Technologietransfer ist eine integrative Aufgabe von Forschung, Lehre und Innovation. Alle drei Säulen sind dafür verantwortlich, Ergebnisse nach außen zu tragen – in welcher Form auch immer. Das Besondere am KIT ist die Vielfalt der Themen und daraus resultierend auch der Innovationen. Diese Vielfalt wollen wir auch nach außen darstellen. Transfer ist dabei aber nicht als Einbahnstraße zu verstehen, es geht eher um die Wechselwirkung im Zusammenspiel mit Wirtschaft und Gesellschaft.

Prof. Kraft: Als Helmholtz-Zentrum ist es unsere Aufgabe, Ergebnisse für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Wir können uns nicht nur auf den reinen Erkenntnisgewinn konzentrieren. Vielmehr geht es um die Verwertbarkeit der Ergebnisse. Die Grundlagenforschung legt quasi den Grundstein für Transfer und Innovation.

„Es braucht Beharrlichkeit, um Innovationen voranzubringen.“
Prof. Dr. Thomas Hirth

Wie können Ergebnisse aus der Grundlagenforschung noch besser genutzt werden?

Prof. Kraft: Es hilft nicht, sich von Anfang an zu sehr darauf zu versteifen, was man mit Forschungsergebnissen anstellt. Stattdessen geht es bei der Grundlagenforschung um die Freiheit der Forschung und den reinen Erkenntnisgewinn. Erst wenn dieser Schritt erfolgt ist und ein interessantes Forschungsergebnis vorliegt, sollten sich Wissenschaftler mit der Frage nach der Verwertung beschäftigen. Hier gilt es, unsere Beschäftigten bestmöglich zu unterstützen.


Wo liegen die Herausforderungen?

Prof. Hirth: Die große Herausforderung besteht darin, Forschungsthemen mit Innovationspotential zu identifizieren. Bei der Vielzahl von Instituten ist es nicht immer einfach, alle Erfindungen zu kennen. Hier müssen die wissenschaftlichen Beschäftigten auch Eigeninitiative zeigen. Das KIT muss aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen und die nötigen Ressourcen für Ausstattung und Beschäftigte zur Verfügung stellen. Hinzu kommt die Beharrlichkeit, die es braucht, um Innovationen voranzubringen.


Innovationen entstehen oft eher zufällig. Sollte es trotz Zufall eine Strategie geben?

Prof. Kraft: Eine Strategie ist wichtig – und zwar ab dem Zeitpunkt des Erkenntnisgewinns. Hier müssen wir sicherstellen, dass die richtigen Mechanismen greifen, etwa die Absicherung der Erfindung über Patente und die Unterstützung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Verwertung. Das darf man nicht dem Zufall überlassen.

Prof. Hirth: Dabei ist es wichtig zu zeigen, dass ein wissenschaftliches Paper und ein Patent nicht im Widerspruch stehen, solange man die richtige Reihenfolge einhält. Die Dienstleistungseinheit IRM steht hier gerne beratend zur Seite.


In welcher Form greifen die beiden Ressorts Forschung und Innovation am KIT konkret ineinander?

Prof. Hirth: Im Zuge der Exzellenzstrategie wurde deutlich, dass wir auf allen Ebenen zusammenarbeiten müssen, um das KIT voranzubringen. Das betrifft nicht nur die Ressorts Forschung und Innovation, sondern das gesamte Präsidium und dessen Verantwortungsbereiche. Gemeinsam müssen wir die Technologien identifizieren, die Perspektive haben. Ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit sind die Zentren des KIT, in denen zentrale Forschungsthemen gebündelt werden.

Prof. Kraft: An den KIT-Zentren findet man eine gute Mischung aus exzellenter Forschung und erfolgreichen Verwertungsinitiativen. Die Zentren dienen aber auch als Schaufenster, um die Ergebnisse der Außenwelt sichtbar zu machen. Das spiegelt auch ein wenig unsere Rolle als Vizepräsidenten wider. Während ich eher als Innenminister des KIT agiere, übernimmt Professor Hirth – im übertragenen Sinne – die Rolle des Außenministers.

Bild: Markus Breig / KIT