Prof. Dr. Tamim Asfour zusammen mit dem Roboter ARMAR-6

„Intelligenz in künstlichen Körpern“

Professor Dr. Tamim Asfour leitet den Lehrstuhl für Hochperformante Humanoide Technologien (H²T) am Institut für Anthropomatik und Robotik am KIT. Dabei ist er unter anderem für die Weiterentwicklung der ARMAR-Roboter verantwortlich, für deren Fähigkeiten Künstliche Intelligenz (KI) eine wichtige Rolle spielt. Die KI ist auch das Thema des diesjährigen Wissenschaftsjahres, einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dessen Ziel der Austausch zwischen Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ist.

Seit über 20 Jahren forschen Sie an robotischer KI. Was macht diesen Bereich für Sie so spannend?

Prof. Asfour: Robotik kann künstliche Intelligenz greifbar und erlebbar machen. Oft wird KI mit intelligenten Algorithmen und deren Anwendung auf große Datensätze, wie bei der Verarbeitung natürlicher Sprache oder der Analyse von Bilddaten, assoziiert. KI in der Robotik beschäftigt sich mehr mit der Erschaffung von Systemen, die Bewegungen generieren und durch physische Interaktion mit der Welt lernen.


Wann macht es Sinn, Robotern eine menschliche Gestalt zu geben?

Prof. Asfour: Ich kenne keine andere Körpermorphologie, die so vielseitig und performant ist, wie der menschliche Körper. Außerdem tragen das menschenähnliche Aussehen und Bewegungsverhalten zu einer intuitiveren Mensch-Roboter-Interaktion bei. Das Wissen, dass sich ein Roboter wie ein Mensch bewegt, vereinfacht uns die Vorhersage von Roboterbewegungen.


Welche Einsatzszenarien sehen Sie?

Prof. Asfour: Humanoide Roboter sind nicht auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert, wie in der klassischen Automation. Es sind Systeme, die aus Beobachtung des Menschen und aus eigener Erfahrung lernen und so in der Lage sind, selbständig vielseitige Aufgaben zu erfüllen. Die Einsatzgebiete reichen von Haushalt, Pflege, Produktion, Wartung und Inspektion bis hin zu Unterwasser- und Weltraumexplorationen.

„Meine Forschung hat nicht das Ziel, Menschen zu ersetzen, sondern deren Lebensqualität zu erhöhen.“
Prof. Asfour

 

Roboter übernehmen also die Aufgaben von Menschen?

Prof. Asfour: Ja, aber wir wollen die Menschen nicht ersetzen. Uns geht es darum, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Zum Beispiel durch Unterstützung bei der Arbeit in gefährlichen oder gesundheitsschädlichen Situationen, etwa der Arbeit mit schweren Lasten oder in kontaminierten Umgebungen. Natürlich dürfen wir trotzdem die Augen vor den Folgen technischer Entwicklungen nicht verschließen, sondern müssen die Konsequenzen bedenken.


Sind künstliche und menschliche Intelligenz vergleichbar?

Prof. Asfour: Was man heute als künstliche Intelligenz bezeichnet, ist nicht wirklich intelligent. Es sind meist Algorithmen, die Muster und Zusammenhänge in großen Datensätzen, dank bekannter Modelle und hoher Rechenleistung, finden. Hier sind Maschinen den Menschen überlegen. Dafür sind wir Menschen kreativ, verstehen auch komplexe, unstrukturierte Probleme, können verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, die Konsequenzen unseres Handelns vorhersagen und aus Fehlern lernen. Von solchen Fähigkeiten ist die heutige KI noch weit entfernt.


Sie haben im Projekt SecondHands einen Roboter entwickelt, der nun auch in der Industrie eingesetzt wird. Was ist das Ziel?

Prof. Asfour: In diesem Projekt entwickeln wir einen humanoiden Roboter, der Techniker bei Wartungsaufgaben in Lagerhäusern unterstützt. Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung der Mechatronik, sondern auch um die Entwicklung der KI, die hinter diesen Fähigkeiten steckt. Der Roboter ARMAR-6 kann mit Menschen Hand-in-Hand kollaborieren und dabei erkennen, wann ein Mensch Hilfe benötigt und diese auf eine proaktive Art und Weise anbieten. Er wird aktuell im Logistik-Lager eines britischen Online-Warenhauses getestet.


Die Tatsache, dass die Roboter die Gestalt von Menschen haben, verstärkt sicher die Ängste der Menschen?

Prof. Asfour: Menschen stehen disruptiven Technologie oft skeptisch gegenüber. Das ist speziell bei humanoiden Robotern auch der Fall. Allerdings entsteht hier schnell eine viel engere Verbindung als bei anderen Roboterformen. Ich bin überzeugt, dass Menschen humanoide Roboter als unabdingbare Werkzeuge und Helfer im Alltag ansehen werden, wenn diese den entsprechenden Reifegrad erreicht haben.

Bild: Laila Tkotz / KIT

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