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INTERVIEW - HIGHTECH-HÜTER DER PFLANZENWELT



INNOVATIONEN ENTSTEHEN AN FACHGRENZEN

Obwohl Professor Dr. Andreas E. Guber vom Institut für Mikrostrukturtechnik und Professor Dr. Peter Nick vom Botanischen Institut in ganz unterschiedlichen Disziplinen forschen, arbeiten sie seit einigen Jahren in unterschiedlichen biotechnologischen Projekten zusammen. Sie zeigen, dass sich Ingenieurstechnik und Biologie gegenseitig befruchten und Innovationen entstehen können.

Professor Dr. Andreas E. Guber (links) und Professor Dr. Peter Nick (rechts)
Professor Dr. Andreas E. Guber (links) und Professor Dr. Peter Nick (rechts)

Prof. Guber, Sie und Prof. Nick sind nicht nur thematisch auf unterschiedlichen Pfaden unterwegs, sondern auch räumlich auf zwei Campus getrennt. Wie entstand der erste Kontakt?

Wir trafen uns 2008 bei einem Treffen zu den Life-Sciences-Aktivitäten innerhalb des KIT im Audimax. Das KIT strebte in sogenannten Kompetenzfeldern die themenübergreifende Vernetzung der Wissenschaftler/innen aus unterschiedlichen Fachbereichen an, um den aktiven Austausch zu fördern. Der Kollege Nick referierte über eine aktuelle Frage der Grundlagenforschung im Bereich der molekularen Zellbiologie: Wie organisieren sich Zellen selbst und welche Signale beeinflussen sie? Hierfür fehlte aus meiner Sicht ein Gefäß oder besser gesagt ein Untersuchungssystem, in dem man die Zellprozesse online beobachten und bei Bedarf manipulieren kann. Pflanzen, beziehungsweise deren Blätter als komplexes System mit Kanälen und Flüssigkeitsströmen, erinnerten mich stark an ein mikrofluidisches System und wir kamen ins Gespräch. So entschieden wir, die Problemlösung gemeinschaftlich anzugehen und einen Mikrochip für Zelltests zu entwickeln.

Prof. Nick, neben den Ingenieurswissenschaften arbeiten Sie auch eng mit den Geisteswissenschaften zusammen. Dafür erhielten Sie 2015 den Landeslehrpreis für ein interdisziplinäres Lehrformat. Was fasziniert Sie an der Arbeit über Fachgrenzen hinweg?

Seit 2015 engagiere ich mich im „Forum für Kritische Interdisziplinarität (FKI)“, das ich gemeinsam mit Prof. Dr. Mathias Gutmann vom Institut für Philosophie gegründet habe. Unter dem Motto „Biologie trifft Ethik“ fördern wir mit diesem Lehrformat den Austausch von Studierenden aller Fachrichtungen auf einer ganz neuen Ebene. Wir suchen das Gespräch, um die richtigen Fragen zu stellen und Ideen kritisch zu hinterfragen. Das hilft dabei, auch als Wissenschaftler einmal die Perspektive zu wechseln sowie eigene Theorien und Entwicklungen zu reflektieren. Diese Impulse von außen machen die interdisziplinäre Arbeit für mich so wertvoll.

Welche Chancen sehen Sie beide in der Verbindung von Fachbereichen?

Prof. Guber: Häufig entstehen Innovationen erst durch die Symbiose von unterschiedlichem Know-how. Beispielsweise schafften die Biologen bei der gemeinsamen Entwicklung unseres Mikrofluidikchips das Verständnis für den Organismus Pflanze beziehungsweise lieferten mit konkretem Bedarf den Impuls zur Entwicklung. Wir als Ingenieure erarbeiteten das passende technische Untersuchungssystem, um die Prozesse in der Pflanze abzubilden. Aus einer Anwendung entwickelte sich so ein marktfähiges Produkt.

Prof. Nick: Ähnlich wie bei den Pflanzen als Organismus, bei denen einzelne Zellen spezifische Aufgaben übernehmen, setzen wir unsere unterschiedlichen Kompetenzen ein. Ohne die Hilfe der Ingenieure hätten wir heute nicht so eine komfortable Lösung zur Zellbeobachtung. Mit dem entstandenen Produkt leisten wir einen Beitrag für die Forschungsarbeit allgemein, öffnen aber auch die Türen für neue industrielle Anwendungen. Wir haben bereits Ideen zur Weiterentwicklung und Fortführung der erfolgreichen Zusammenarbeit.

Sarah Wiegräfe
Referentin NEULAND
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Innovations- und Relationsmanagement (IRM)

Telefon: +49 721 608 22612
E-Mail: sarah.wiegraefe@kit.edu

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