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Tausend und eine Idee

Wie Professorin Dr. Ute Schepers biochemische Forschung als Basis für anwendungsorientierte Produktideen nutzt.



1001 Nächte erzählte Scheherazade die bekannten Geschichten von Aladdin, Sindbad und anderen Abenteuern. Sie steht damit für Klugheit und den Willen, den Lauf der Geschichte mit der Macht des Geistes zu ändern. Der kreative Geist der Märchenfigur und ihrer Helfer ist außergewöhnlich – aber was verbindet Scheherazade mit der Wissenschaft am KIT? „Erfindungsreichtum und die richtige Einstellung“, findet Professorin Ute Schepers, „die man braucht, um gesellschaftsrelevante Innovationen zu erzeugen. Dabei ist fundierte Forschung eine gute Basis, aber entscheidend sind die Ideen, aus denen man etwas Nützliches machen kann.“

Genau darin liegt die Stärke ihrer Forschungsgruppe am Institut für Toxikologie und Genetik des KIT. Ihr Team beschäftigt sich im Kern mit Fragen rund um die Biochemie, Genetik und Peptid-Forschung. Die daraus entstehenden Innovationsprojekte klingen handfester: Haarwuchs aus dem Drucker, Entfernung von Tätowierungen mit Licht, selektive Zerstörung von Tumorzellen. Ein weites Feld der Anwendungen, die nicht immer sofort ersichtlich sind. „Oft fragen mich Doktoranden, was man aus dieser oder jener Entdeckung unter dem Mikroskop machen könnte. Dann heißt es um die Ecke denken“, so Schepers.

Eines der wichtigsten aktuellen Innovationsprojekte der Professorin und ihres Teams aus wissenschaftlichen und unternehmerisch geprägten Mitstreitern ist die Ausgründung vasQlab. Das Gründungsteam ist angetreten, um die Medikamentenentwicklung umzukrempeln und hat mit seinen miniaturisierten Organen auf Body-on-a-Chip-Systemen, seinen künstlichen Blutgefäßen und dem 3D-Druck menschlicher Organe schon einige Expertenjurys überzeugt – unter anderem beim Cyber Champions Award 2016.

„Auch wenn es einfacher geworden ist, neue Wirkstoffe herzustellen, sind die anschließenden klinischen Studien langwierig und verschlingen oft mehr als 1,2 Milliarden Euro. Daneben stiegen in den letzten Jahren die Zahlen der Versuchstiere allein in Deutschland auf 2,8 Millionen, während die Zulassung neuer Medikamente durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nicht signifikant gestiegen ist. Außerdem kommt es beim Test neuer Medikamente am Menschen während der klinischen Phasen immer wieder zu schweren gesundheitlichen Schäden und sogar Todesfällen. Ergebnisse aus Tierversuchen sind nicht immer auf den Menschen übertragbar“, erklärt Ute Schepers. Miniaturisierte menschliche 3D-Gewebe und -Organe aus verschiedenen Zellen, können in der präklinischen Phase schon Hinweise auf die Verträglichkeit der Wirkstoffe im Menschen liefern, wodurch das Risiko in den klinischen Phasen minimiert werden kann. Ein Projekt mit hoher Relevanz und großem Potenzial für die Pharmabranche.

Während vasQlab im August 2017 notariell gegründet werden soll, hat die Wissenschaftlerin schon neue Ideen auf den Weg gebracht: „Wir starten gerade mit Projekten zur photodynamischen Therapie von Krebs und lichtaktivierbaren Tinten, die beide zu Ausgründungen führen könnten.“ Daneben ist die Biochemikerin offen für Kooperationen mit der Industrie, um ihre Ideen weiterzuentwickeln und an den Markt zu bringen. „Unsere kreativen Ideen sind für ganz unterschiedliche Branchen interessant. Als wissenschaftliche Gruppe können und wollen wir nicht alles selbst bis zur Kommerzialisierung verfolgen. Für Industriepartner bieten die Projekte jedoch aussichtsreiche neue Geschäftsfelder“, so Schepers.

"Unsere Idee basiert auf der Herstellung verschiedener menschlicher Organe auf einem miniaturisierten „Body on a Chip“-System. Wir konnten bereits dreidimensionale Organe wie Leber, Darm, Hirn, Haut oder Lunge mit Hilfe von 3D-Druckern auf ein künstliches Blutgefäßsystem drucken und naturgetreu in miniaturisierter Form nachbilden."

Prof. Dr. Ute Schepers

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Bilder: KIT

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